Südafrika

Regenbogennation in schwarz-weiß

Südafrika

Drakensberge und Kruger National Park

Um sieben Uhr in der Früh speit uns der Flieger unausgeschlafen am Flughafen von Johannesburg aus. Meine fünfte Reise mit Martin in den letzten fünf Jahren führt uns in vier Wochen über Kruger National Park, Eswatini, iSimangaliso-Wetland-Park, die Drakensberge und Lesotho bis nach Stellenbosch und Kapstadt. Wir tauschen etwas Bargeld zu einem unfassbar schlechten Kurs und besorgen uns die obligatorische Telefonkarte, bevor wir den Mietwagen in Empfang nehmen. In Südafrika gilt Linksverkehr. Hinzu kommt Rechtslenkung, Schalten mit links, sowie die vertauschten Blinker- und Scheibenwischerhebel. Wider Erwarten ergibt sich aber kein Knoten im Hirn und ich fahre uns flüssig vom Flughafen Richtung Nordost. Langsam lichtet sich der Verkehr und nach ein paar Autobahnwechseln habe ich auch Zeit mir die Landschaft ein wenig anzuschauen. Flaches Weideland und Maisfelder bestimmen das Bild. Ein wenig monoton, vor allem nach einer fast durchwachten Nacht. Martin nickt neben mir immer wieder ein, als Beifahrer würde ich dasselbe tun. Nach zwei Stunden halten wir an einem größeren Rasthof. Vom Pissoir aus schaue ich durch große Scheiben auf zwei Wasserlöcher an denen sich Zebras, Wasserbüffel und verschiedene Antilopenarten aufhalten. Ein kleines Wildreservat und eine seltsame Einstimmung auf unsere Pirschfahrten der nächsten zwei Wochen. Der Kontrast von Einkaufszentrum, Hamburgerbude und den Tieren passt in meinem Kopf nur zusammen, wenn ich darüber nachdenke, dass die Nationalparks einen großen Teil des Reizes zur Anreise für die Touristen darstellen. Neben den ostafrikanischen Ländern Kenia und Tansania ist Südafrika die bekannteste Safaridestination des Kontinents. Sehr gut gemanagte Nationalparks und die angrenzenden privaten Wildreservate ergeben zusammen eine in verschiedenen Preissegmenten bestens funktionierende Kulisse.

Kleine Elefantenherde im Kruger National Park

Die letzten beiden Fahrstunden durchqueren wir, nun schon in den Ausläufern der Drakensberge, mehrere schwere Gewitter. Der Regen prasselt auf unsere Windschutzscheibe, so dass der Scheibenwischer die Wassermengen kaum noch beseitigen kann. Breite Bäche laufen entlang der Straße und manchmal auch mitten drüber. Die Vegetation wird dichter und wechselt mit den immer noch reichlich vorhandenen Wiesen ab. Eine Gruppe Südliche Grünmeerkatzen spielt auf der Straße und verschwindet erschrocken ins Gebüsch. Sie sind eine von nur zwei Affenarten in Südafrika. An manchen Stellen wachsen Baumfarne mit kräftigen etwa drei Meter hohen Stämmen. Die urigen Pflanzen sind für mich Überlebende einer vergangenen Welt voller Dinosaurier und Flugechsen.

Als wir am frühen Nachmittag in Graskop unsere über einen Tag lange Anreise beenden, sind wir beide ganz gut geschafft und freuen uns erst einmal über die grüne Gartenoase unserer Unterkunft. Kurz nach dem Einchecken dann der fast schon normale Schock: Martin findet seine Mappe mit allen Ausweisen, Kreditkarte und Bargeld nicht. Wir krempeln das Auto und unsere Koffer um, aber die Mappe bleibt verschwunden. Nicht unter der Rückbank, zwischen den Sitzen oder in irgendeiner hintersten Ecke. Als Martin schon seine Bank anruft, um die Kreditkarte sperren zu lassen, fällt mein Blick auf das Handschuhfach und eine Erinnerung poppt auf. Aus dem Augenwinkel habe ich gesehen, dass er die Klappe aufgemacht hat, und das mache ich jetzt auch. Und da liegt sie schwarz auf schwarzem Servicebuch. Wir sind euphorisch und erleichtert. Wie viele Telefonate und Amtsgänge wären nötig gewesen, um alles zu ersetzen und natürlich zuallererst einmal ein für die Ausreise gültiges Papier vom Konsulat zu bekommen... So steht einer kleinen Abendwanderung zur Entspannung im nahe gelegenen Wald nichts mehr im Wege.

Blick in den Blyde Canyon

Wir möchten uns verschiedene Punkte entlang der Panoramaroute anschauen und starten nach einem ausgiebigen Frühstück mit der Fahrt zu God´s Window. Schon aus einiger Entfernung sehen wir wie die Wolken aus dem fast tausend Meter tiefer gelegenen Lowveld aufsteigen und sich über dem Hochplateau auftürmen. Die Panoramaroute führt entlang der Abrisskante der Drakensberge und trennt das hier fast 1700m hohe Plateau von der bis nach Mosambik hineinreichenden Tiefebene. Wir spazieren trotz der eingeschränkten Sicht entlang der Aussichtspunkte durch den Regenwald und genießen unseren leicht erhöhten Blick auf die Wattebäusche unter uns. Das Lowveld können wir nur erahnen oder kurz durch die Wolken hindurchblitzen sehen. Es folgen einige Stopps entlang der mit Schönheit nicht geizenden Bergwelt bis wir oberhalb des Blyde Canyon ankommen. Es soll der drittgrößte Canyon der Welt sein, einer der schönsten ist er aber auf jeden Fall. An seinem Boden mäandriert der Blyde River, umgeben von tiefgrünen Wäldern, die nur ein einziges Mal von einer braunen Piste unterbrochen werden. Der berühmteste und vielleicht auch spektakulärste Aussichtspunkt sind die Drie Rondavels. Da mein Akku beinahe leer ist, gehe ich zum Wechseln ans Auto. Panik ergreift mich, als ich die fehlende Fototasche hinter dem Fahrersitz bemerke. Noch bin ich mir nicht sicher, ob ich vielleicht vergessen habe, sie am Morgen in das Fahrzeug hineinzustellen. Ich quetsche noch ein paar Bilder aus meiner Kamera bevor wir uns auf die Rückfahrt machen. Zum Chubby Pig geht es vom Teer auf eine holprige Piste. Nach einem Kilometer erreichen wir die urige, an einem Fluss liegende Gastwirtschaft. Uns umfängt direkt der sich in vielen Einzelheiten zeigende Charme. Seit 2018 gibt es das Lokal und ich hoffe, es wird noch ewig so weiterbestehen. Nach einem leckeren Essen gehe ich hinab zum Fluss und lasse mich in das angenehm temperierte Wasser gleiten. Es ist der Treur River, der mich hier so gastlich aufnimmt und in dem ich ein paar hundert Meter auf und ab schwimme. Ein herrliches Stückchen Erde, ich wünschte ein wenig länger oder öfter hier verweilen zu können.

Das Chubby Pig

Wir tanken noch in Graskop und kaufen ein paar haltbare Lebensmittel für unsere Tage im Kruger National Park. Auf unserem Grundstück öffne ich dann die Tür und meine schlimmen Befürchtungen bewahrheiten sich: Auch hier steht keine Kameratasche. So sind mir leider mein Tele- und Weitwinkelobjektiv, ein Akku für die Kamera, alle Ausweise, die neue Brille und zweihundert Euro aus dem Auto gestohlen worden. Ich erkundige mich bei Rainer, unserem Gastgeber, nach dem Polizeirevier und fahre sofort los. Auf der Wache sitzen drei dösende Beamte, zwei weibliche und ein männlicher. Es dauert etwas, sie aus ihrer Lethargie zu befreien, aber nach einigen Minuten kommen sie mit mir hinaus und schauen nach, ob es am Wagen irgendwelche Spuren gibt. Nur ein paar teilweise zu sehende Handabdrücke an der Scheibe fallen auf. Wir gehen wieder hinein und ich beantworte ein paar Fragen, die eine der Beamtinnen zu einem Text zusammenfügt, den die andere dann ins Formular überträgt. Sie rufen noch an der für den wahrscheinlichen Tatort zuständigen Polizeidienststelle an, um auch dort den Vorfall zu melden. Da der Kopierer kaputt ist, fotografiere ich die drei Berichtseiten und bedanke mich bei den Beamten. Weil ich meine südafrikanische Telefonnummer nicht zur Hand habe, verspreche ich noch einmal vorbeizuschauen. Kurze Zeit später, nachdem ich wieder am Haus bin, schaut ein Streifenwagen vorbei. Sie kommen die Telefonnummer aufschreiben. Leider muss ich trotzdem noch einmal zur Wache da ich für die Botschaft eine eidesstattliche Erklärung zu dem Zwischenfall benötige. Rainer telefoniert seine Bekannte an, und lässt sich erklären, wie ich vorgehen muss, um einen temporären Reisepass zu bekommen. Dann kopiert er mir noch einige benötigte Formulare. Martin und ich fahren anschließend noch einmal zur Polizei und füllen mit dem Polizisten die eidesstattliche Erklärung aus, bevor wir als Tagesabschluss uns den Verlust mit einem leckeren Abendessen versüßen...

Blyde River im Blyde River Canyon

Schon während des Frühstücks versuche ich die deutsche Botschaft in Pretoria zu erreichen. Da auch nach acht Uhr noch keiner an das Telefon geht, versuche ich es mit der Notrufnummer. Hier wird sofort abgenommen und ich erkläre meine Situation. Noch während ich mit dem Mitarbeiter die verschiedenen Möglichkeiten erörtere und leider schon gesagt bekomme, dass mit einem provisorischen Dokument nur die Ausreise nach Deutschland möglich wäre, jedoch keine Einreise nach Lesotho oder Eswatini, kommt ein Streifenwagen auf das Gelände gefahren. Ich unterbreche das Gespräch, gehe raus und begrüße die drei aussteigenden Beamten. Einer ist der Chef, den ich schon gestern in der Woche getroffen habe. Meine Frage, ob sie meine Tasche gefunden hätten, verneint er leider. Ob sich die Kollegin schon gemeldet habe, die für den Kontakt zur Botschaft zuständig sei. Diesmal verneine ich. Nun rückt er damit heraus, dass eine Tasche gefunden worden sei und einer der beiden Kollegen holt dann tatsächlich meine gute alte Fototasche aus dem Auto. Am ersten Halt des Vortags ist sie gefunden worden. Wahrscheinlich haben wir die Tür des Autos einfach nicht richtig verschlossen. Sie bitten mich zu prüfen, was fehle. Ich muss alles auspacken, damit der Chef ein Foto schießen kann. Lediglich das Bargeld vermisse ich und mir fällt ein zentnerschwerer Stein vom Herzen. Die Frage, ob der Fall weiter verfolgt werden soll, verneine ich nun auch. Der Chef möchte noch wissen, wie viel Rand die gestohlenen zweihundert Euro wären und ich antworte, dass es ungefähr viertausend seien. Meine Erklärung, dass ich einfach froh bin, wieder im Besitz von Objektiven und Papieren zu sein lässt den zweiten Beamten nur ungläubig den Kopf schütteln. Aber das Geld würde ich auch bei weiterer Verfolgung des Vorgangs wohl niemals wiedersehen. Ich bedanke mich überschwänglich und sehe nach einer kurzen Frage an Rainer von dem Versuch den dreien etwas Bargeld zu schenken ab. Alle schütteln sich die Hände und Martin und ich können unser Glück über den gesitteten Dieb kaum fassen. Wir packen unsere Koffer zu Ende und euphorisiert geht es auf in Richtung Kruger.

STOP! HIER MUSS GESCHICHTE EINMAL MEHR UMGESCHRIEBEN WERDEN, NACHDEM ICH, WIEDER ZUHAUSE, DIESE MAIL IN MEINEM POSTFACH FINDE:

Hallo Herr Göbelsmann,

ich habe Ihre Geschichte zu Südafrika mit großem Interesse gelesen. Tolle Fotos! Nur ein Einwand: Ihre Fototasche wurde nicht gestohlen. Sie haben diese schlicht und einfach am God’s Window stehen lassen. Dort haben wir die Tasche mit allem Drum und Dran gefunden und mit zurück zum Parkplatz genommen. Von dort habe ich die AOK in Deutschland angerufen, mit der Bitte, Kontakt zu Ihnen aufzunehmen und auch das Amt in Bergisch-Gladbach. Die waren allerdings wenig unterstützend. Wir haben 90 Minuten auf Sie gewartet, denn so ein Verlust sollte doch auffallen, oder? (Wie kann man eine Tasche auf dem Berg oben stehen lassen und es nicht merken?) Danach habe ich Beweisfotos vom Inhalt gemacht und die Tasche in die Hände der Angestellten im Kassierhäuschen gegeben und auch meine Kontaktdaten hinterlassen. Also nix gesitteter Dieb. Es ist schade, dass das Geld weggekommen ist. Aber das ist am leichtesten zu ersetzen, wenn ich sehe, was Sie sonst alles so in der Tasche dabei hatten. Insofern freue ich mich, zu lesen, dass Sie die Ausweise, etc., zurückerhalten haben. Wir hatten uns schon gefragt, wie die Sache wohl ausgegangen ist.

GUT, DAS GELD BLEIBT WEG. ABER JETZT IST ES DOCH ALLES ANDERS ABGELAUFEN UND ICH WAR DER ALLEINIGE DEPP... VIELEN DANK FÜR TASCHE UND INHALT, SOWIE DIE AUFKLÄRUNG DES MYSTERIUMS!

Bindenwaran

Nach der Abfahrt aus den Drakensbergen cruisen wir durch einen fruchtbaren Teil des Lowvelds. Obstplantage neben Obstplantage säumt die Straße. Wir überqueren den aus dem Blyde Canyon nun ausgetretenen Blyde River und fahren weiter bis zum Orpen Gate, eine der Einfahrten in den Nationalpark. Auf unserer dreistündigen Fahrt zum Letaba Rest Camp begegnen wir schon hunderten von Zebras, Gnus und verschiedenen Antilopenarten. Auch zahlreiche Elefanten, einzelne alte Bullen und kleinere Herden können wir beobachten. Das Thermometer ist inzwischen auf 36°C gestiegen und langsam lähmt die Hitze unsere Körper. So sind wir froh, als wir gegen fünf Uhr unseren Bungalow beziehen dürfen. Nach der üblichen Sortierarbeit und ein wenig Tagebuch schreiben nehme ich Fernglas und Kamera, um die etwas tiefer liegende Flussbiegung des Olifant River zu beobachten. Eine Weile später haben sich neben vielen anderen Tieren auch sechs Flusspferde am Ufer versammelt. Zwei von ihnen sind Jungtiere. Die Sonne steht nun tief und beleuchtet die Szenerie mit herrlichem Abendlicht. Ein Elefantenbulle tritt aus dem Dickicht, wandert langsam Richtung Ufer und reißt ein paar Äste zum Verzehr von einem Busch, bevor er sich dann den Flusssand links und rechts mit seinem Rüssel auf den Körper klatscht. Ein Dutzend Marabus stehen still am Uferrand während Antilopen das frische Grün verzehren.

Des einen Nachlass ist des anderen Erbe

Der Kruger-Nationalpark hat eine Länge von circa 350 km und eine durchschnittliche Breite von 54km.  Seine Gesamtfläche beträgt enorme 20.000 Quadratkilometer. Er ist das größte Wildschutzgebiet des Landes und eines der größten in Afrika. Im Westen schließen sich einige private Schutzgebiete an die seit einiger Zeit keine Zäune mehr als Trennung haben, so dass die Tiere ungehindert wandern können. Auch im Osten wurden die Zäune inzwischen entfernt und der Limpopo-Nationalpark auf der Seite von Mozambique bildet nun zusammen mit dem Kruger-Nationalpark den grenzübergreifenden Great Limpopo Transfrontierpark. Durch den langen Bürgerkrieg in Mozambique wurden die Wildbestände dort stark dezimiert. Durch Großwildumsiedlungen versuchen die Manager ein Gleichgewicht zwischen den Seiten herzustellen. Es wird aber wohl noch Jahre dauern, bis sich die Bestände im Limpopo-Nationalpark erholt haben. Um den grenzüberschreitenden Tourismus zu erleichtern, wurden bisher zwei Grenzübergänge innerhalb des Parks geschaffen. Der Plan ist, zusammen mit mehreren Schutzgebieten in Zimbabwe eine geschützte Fläche herzustellen, die es den Tieren ermöglicht, ihre alten Migrationsrouten wieder aufzunehmen. Bisher umfasst der Greater Limpopo National Park 35.000 Quadratkilometer, soll aber nach neuen Plänen auf 100.000 Quadratkilometer anwachsen. Damit würde es das größte Wildschutzgebiet der Welt.

Wasserbock mit Nachwuchs

Als es dunkel wird, brechen wir auf, um mit Viona, eine der Rangerinnen des Kruger, eine Nachtfahrt durch den Park zu genießen. Ohne Führung darf man nur bis 18.30 Uhr herumfahren, hätte also keine Chance die nachtaktiven Tiere kennenzulernen. Viola teilt Taschenlampen aus und erklärt uns, dass die Reflektionen in den Augen der Tiere die beste Möglichkeit sind, diese zu orten. Als wir schon einige Zeit fahren und die üblichen Verdächtigen des Tages ausmachen, Gnus, Impalas und die nachts aus dem Wasser auf das Land wechselnden Flusspferde, die dann an den Uferböschungen grasen, findet sie für uns ein Chamäleon. Es ist das erste, das ich außerhalb eines Terrariums sehe. Martin und mich stört das Blenden der Tiere, ohne Licht würde es allerdings auch keine Nachttouren geben. Die Hauptattraktion neben dem Chamäleon ist der Springhase, ein an ein kleines Känguru erinnernder Nager. Eine Verwandtschaft zum Hasen besteht nicht, aber immerhin bewohnen beide weitläufige Höhlensysteme. Der Springhase lebt eigentlich auf einem überschaubaren Terrain, kann aber in Notsituationen bis zu vierzig Kilometer Strecke zurücklegen. Ich bin fasziniert von dem mir fremden Tier, eine schöne Sichtung und alleine schon die Fahrt wert. Zum Abschluss sehen wir dann noch einen Schakal durch die Nacht ziehen und nach kleineren Beutetieren Ausschau halten.

Mögliches Opfer eines Schakals

Das Aussteigen aus dem Fahrzeug ist streng verboten und auch nicht ratsam. Wer kann schon mit der Anschleichkunst von Raubtieren konkurrieren. Um trotzdem einmal mehr als ein paar Meter zu gehen und dabei noch einen leichten Nervenkitzel mit einer Menge Lernstoff zu verbinden, bietet der Park geführte Wanderungen an. Wiederum mit Viola, einer zweiten Frau und ihren Gewehren geht es um fünf in der Früh los. Zuerst fahren wir eine Weile, bevor wir uns dann zu Fuß auf den Weg machen. Die zwei Frauen gehen voran und wir folgen im Gänsemarsch. Nach einer Runde durch den Busch und dem Kennenlernen einiger Pflanzen und Tierspuren gehen wir an den Fluss. Ich zähle achtzehn Nilpferd im Wasser und einige grasende Wasserböcke am Ufer. Viola erzählt uns einiges über das gefährlichste Großwild des Kontinents. Dann lassen sie uns allein mit unseren Eindrücken und reden miteinander. Martin und ich sind fasziniert von der Landschaft und den Tieren vor uns im Wasser. Das Interesse ist gegenseitig und die Flusspferde kommen ganz langsam immer näher, bis schließlich acht von ihnen, alle mit ihren Köpfen uns zugewandt ein paar Meter entfernt im Fluss stehen und zu uns hinüberschauen. Erst als wir uns zum Weitergehen umdrehen, werfen sie sich auch, von lautem Wellenschlag begleitet, plötzlich in die andere Richtung.

Nimmersatt Storch

Auf einer weiteren Runde durch den Busch entdecken wir die Knochen einer Giraffe. Ein Löwenrudel hat sie wohl vor nicht allzu langer Zeit gerissen. Die noch spärlich vorhandenen Fleischfetzen verraten es. Bevor wir unseren Rückweg antreten, picknicken wir unter einem sehr alten Baum, eigentlich sogar zweien, die ineinander verwachsen sind und sich gegenseitig stützen. Ich frage die beiden nach ihrer Ausbildung und sie erzählen, dass ein Jahr gelernt wird, bevor sie in ihrem Beruf arbeiten dürfen. Hauptsächlich geht es um Spurenlesen, Äsung erkennen und natürlich Sicherheit für die anvertrauten Gäste. Auch die Übungen auf dem Schießstand gehören dazu. Zum Glück haben sie bisher noch nie eines ihrer 5-schüssigen Gewehre hier in der Wildnis abfeuern müssen.

Unser Beschützerinnen während des Morgenspaziergangs

Eine Safari ist eine seltsame Angelegenheit. Normalerweise fährt man mit einem Fahrzeug durch die Gegend und sucht Tiere. Bei den oft vorkommenden wird es dann schnell uninteressant. So lassen auch wir schon bald Gnus, Impalas und Zebras links liegen, es sei denn die Menge ist besonders groß oder die Szene ausnehmend schön. Selbst Elefanten, mit über 30.000 Tieren und durch ihre Größe oft anzutreffen werden bald weniger faszinierend. So wird die Jagd mit Augen und Kamera immer mehr fokussiert auf die seltenen und besonderen Tierarten. Als wir am dritten Tag kurz vor unserem Ziel, dem Talamati Bush Camp, nach links in Richtung einer Furt einbiegen sehen wir zuerst nur, dass etwas Besonderes vor uns aufgetaucht ist, und brauchen ein paar Sekunden bevor wir realisieren, dass wir den so herbeigewünschten Leoparden wirklich sehen. Die Zeit reicht nicht für ein Foto, aber ist lang genug, um das elegante Tier zu bewundern. Das Spiel der Muskeln und das glatte wunderschön gemusterte Fell lassen es für mich zum schönsten aller Raubtiere werden. Leider hat uns die Katze auch schnell wahrgenommen und nach etwa zehn Sekunden schleicht sie sich ruhig aber geduckt ins hohe Gras. Wir warten noch eine Zeit lang, doch der Leopard bleibt für unsere Augen unsichtbar. Auf unserer anschließenden Nachtfahrt sehen wir noch zwei Eulen, beide kaum 25cm groß, ein fingergroßes Chamäleon und einen Nachtvogel der einen Skorpion gefangen hat. Es hat etwas Manisches, wie wir Weg nach Weg abfahren, nur um noch mehr von der fantastischen Tierwelt des Parks zu sehen.

Es gibt nur eine Chamäleonart in Südafrika

Inzwischen ist der Tiertourismus eine riesige Einnahmequelle für die Länder Ost- und Südafrikas. Würden die Gründer der ersten Nationalparks registrieren, wie hochprofessionell die Gebiete heute besonders in Südafrika verwaltet werden, kämen sie wohl aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wie viel Aufwand betrieben wird, damit die fehlenden Verbindungen zwischen den einzelnen Parks nicht zu Inzucht führen und ein ausreichender Genpool bestehen bleibt. Wie einzelne Tiere, Nashörner oder Raubkatzen durch nächtliche Patrouillen und Monitoring geschützt werden müssen. Wie viele Menschen in der Administration arbeiten und hinter den Rangern die Strippen ziehen. Und wie viele Flugzeuge um den Erdball gekarrt werden, damit die Touristen sich die Tiere anschauen können. Im Grunde hat das alles dazu geführt, das nur bedingt noch von einer Wildnis gesprochen werden kann. Aber es bedeutet eben auch, dass die Tiere der Nachwelt hoffentlich erhalten bleiben und spätere Generationen die Chance haben, aus dem Verhalten der Tiere, aus der Forschung über Pflanzen und Biotope wichtige Rückschlüsse zu ziehen und über unseren Planeten immer mehr zu lernen. So ist trotz des ganzen Wahnsinns, der mit den großen Tierparks anfällt, der Erhalt doch so enorm wichtig und eben auch der Kampf um jede Rasse und jedes Biotop unabdingbar.

Leopard im Mittagsschlaf

Eine Hyäne begrüßt uns am nächsten Morgen kurz nach unserem Aufbruch. Wir spielen miteinander für zehn Minuten Katz und Maus, bevor sie endgültig im Dickicht verschwindet. Vorher versuche ich ein gutes Bild von ihr zu bekommen, aber weil ich auch gerade der Fahrer bin, schafft sie es immer wieder kurz vor einer guten Fotoposition ins Grüne zu entwischen und dann erst wieder einige Meter entfernt auf unserer Piste aufzutauchen. Wir haben an diesem Tag aber noch einige andere schöne Sichtungen. Ein Leopard liegt wie ein Bettvorleger auf einem dicken Ast eines großen Baumes. Alle vier Beine baumeln links und rechts herunter und das Tier verschläft seelenruhig den Nachmittag. Besonders freut uns noch der Sattelstorch, eines von lediglich hundert Exemplaren in Südafrika, den wir an einer Furt in einem einsamen Teil des Parks antreffen. Besonders, weil er seine Beine irgendwann an den Gelenken nach vorne abklappt und sich in dieser äußerst seltsam anmutenden Position auf den Boden setzt. Was für uns wie Knie erscheint, sind in Wirklichkeit die Fußgelenke. Der herrliche Kontrast zwischen dem gelben „Sattel“ auf seinem knallroten Schnabel, den gelben Augen mit den von unten nach oben sich schließenden Lidern und dazu dem weiß-schwarzen Gefieder mit einem Hauch blau machen ihn für mich zu einem der größten Blickfänge des Tages. An einer weiteren Furt treffen wir auf einen Bindenwaran. Bis zu diesem Moment war mir nicht bewusst, dass es ein solches Tier gibt. Wir beobachten uns gegenseitig, während er sich langsam tiefer ins Wasser schiebt und versucht die Pflanzen zwischen sich und uns zu bringen. Dabei hat er aber bis zu seinem schnellen Verschwinden immer noch ein Auge auf uns konzentriert. Beglückt über die besonderen Treffen des Tages fahren wir unsere Tour weiter zum Lower Sabie Camp, der letzten Station im Kruger National Park.

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Eswatini und Hluhluwe iMfolazi Park

Schon früh geht es los, weil wir pünktlich um 16.00 Uhr an einem Parkplatz in Eswatini abgeholt werden sollen, um mit Rangern in das Mkhaya Game Reserve zu fahren. Wir cruisen die erste Stunde durch den Park, bevor wir am Ausgang einer Kontrolle unterzogen werden. Jedes Fahrzeug muss den Kofferraum öffnen, damit sichergestellt wird, dass kein Wilderer mit seiner Beute einfach entkommen kann. Wir tauchen aus dem Tierparadies wieder in den südafrikanischen Alltag ein und fädeln uns zwischen LKWs und Ziegenherden in den Verkehr ein. Nach ein paar Stunden erreichen wir die Grenze, lassen uns aus Südafrika ausstempeln und reisen etwas umständlich, aber letztendlich doch relativ zügig nach Eswatini ein. Unsere Fahrt führt an riesigen Zuckerrohrplantagen vorbei. Die Monokulturen wurden ab Mitte der Siebziger Jahre aufgebaut, unter anderem durch Umsiedlung vieler Dörfer und Enteignung des Bodens durch den Staat. Hungergetreide nennen es die Einheimischen, weil es so viel Elend über die ehemals von ihrem Land lebenden Bauern gebracht hat. Eswatini ist eine der letzten absoluten Monarchien. Während ich einiges über die Verschwendungssucht des Herrschers lese, sehe ich nun die aus Misswirtschaft und Verschwendungssucht resultierende Armut der Bevölkerung. Eineinhalb Stunden zu früh erreichen wir den verabredeten Treffpunkt.

Junger Mann mit Stil

Ein kleiner Laden mit sehr beschränktem Angebot und ein paar Autowracks stehen herum. Ein junger Mann schlendert zu uns herüber und versichert uns, dass wir am richtigen Ort sind. Wir erzählen ein bisschen und er kann die Frustration über sein Leben kaum zurückhalten. Nach elf Jahren Schule und einer vierjährigen Ausbildung findet er keine Anstellung und versucht sich durch das Rösten von Maiskolben über Wasser zu halten. Ohne Perspektive träumt er den Traum Millionen Afrikaner von Europa. Ich versuche ihm ein paar Illusionen über den gelobten Kontinent auszureden, aber seine Verbitterung ist zu groß, der Frust auf die Regierung sitzt zu fest, um ihm seine letzte Hoffnung zu nehmen. Kinder kommen von der Schule und belagern unser Auto. Sie betteln um Essen oder Geld. Ich verteile unsere letzten Äpfel und die gerade im kleinen Laden nebenan gekauften Kekse. Beklemmung kommt beim Blick in die großen Augen auf. Vor allem, weil wir gerade auf dem Weg in ein privates Wildreservat sind und dort wie Könige behandelt werden. Der Kontrast ist riesig und nicht zu lösen, wenn im Land selbst keine Reformen zur Verbesserung der Lage vorgenommen werden. Unser Guide kommt im Toyota Landcruiser. Wir folgen ihm zur Polizeiwache, wo unser Auto über Nacht geparkt wird, und steigen mit unserem Gepäck um.

Ehemaliger Fahrer des Mkhaya Game Reserve

Es geht über einen steinigen Fluss und kurze Zeit später passieren wir ein Tor, den Eingang zum Mkhaya Game Reserve. Mit 10.000 Hektar ist es ein kleines Gebiet, hat sich aber mit dem Schutz- und Zuchtprogramm für Spitz- und Breithornnashörner international einen Namen gemacht. Wir sehen auch direkt am Anfang eine Mutter mit Kind die in einem abgegrenzten Areal geschützt wird. Bei einem Willkommenstrunk wird uns eine überdachte Fläche gezeigt, die voller Nashornschädel ist, alle ohne Horn. Matthew, der Ranger, erzählt von dem Nashornkrieg in den neunziger Jahren, aus welchem ein Großteil der Schädel stammt. Er ist stolz das in Eswatini seit zehn Jahren kein Nashorn mehr gewildert wurde. Dafür ist allerdings auch ein großer Sicherheitsaufwand nötig. Genau wie im Kruger-Nationalpark werden keine Zahlen über die Menge der Tiere veröffentlicht. Tag und Nacht patrouillieren bewaffnete Wachen zum Schutz der Nashörner. Auf Wilderei stehen fünf bis fünfzehn Jahre Gefängnis in Eswatini. Ein logistischer Großaufwand, damit zumeist asiatische Kunden kein Horn zur angeblich potenzsteigernden Einnahme geliefert bekommen und die Rasse überleben kann. Wir bekommen eine Fahrt über Stock und Stein durch das Reservat. Im Augenblick wirkt es teilweise wie eine Panzerübungsplatz, weil viele Sträucher und Bäume herausgerissen wurden, um Äsungsflächen für Zebras, Gnus und andere weidende Tiere zu schaffen. Termiten sollen nun das Holz zerkleinern und so Nährstoffe in den Boden einziehen lassen. Bis dahin wird es allerdings wohl einige Jahre dauern. Durch das graue Gestrüpp entdecken wir noch zwei Breitmaulrhinozerosse, bevor wir ins Camp gefahren werden. Hier gibt es weder WLAN noch Strom, dafür jede Menge Atmosphäre. Mitten im Buschwald an einem flachen sandigen Fluss gelegen sind die Hütten des Stone Camp weitläufig um einen riesigen Baum gruppiert. Alle Häuser sind aus Stein und Holz mit reetgedeckten Dächern. Fenster gibt es nicht, aber dafür stabile Moskitonetze, nur mit ein paar Löschern. Ansonsten wirkt alles gut durchdacht und luxuriös. Sogar warmes Wasser kommt aus den Duschen. Alles wird durch Kerzen und Petroleumlampen beleuchtet. Ein Feuer schwelt vor sich hin, damit der Rauch etwaige Mücken vertreibt. Wir lesen ein wenig bevor wir zum Abendessen an den Lampen vorbei in die Camp Mitte gehen. Außer uns sind noch drei weitere Gäste da, ebenfalls deutsche. Uns wird ein vier-Gänge-Menü serviert und danach gibt es noch eine Trommel- und Tanzeinlage des durchweg weiblichen Personals. Wären sie nicht so motiviert und erstaunlich gut, es könnte durchaus peinlichster Ethnokitsch sein. So aber haben alle offensichtlich Spaß an der Einlage und Martin und ich bleiben noch ein wenig länger als wir eigentlich vorhatten. Zurück in unserer Hütte bereiten wir uns auf die Nacht vor und sind gespannt, ob wir störungsfrei schlafen können oder vielleicht doch die vorhandene Notpfeife benutzen müssen. Es bleibt entspannt und ich schlafe mit den vielfältigen Geräuschen des Waldes friedlich ein.

Nashornschädel ohne Horn

Die erfolglose Suche nach dem Spitzmaulnashorn wird zugunsten des Frühstücks nach zwei Stunden abgebrochen und danach werden wir mit dem Landcruiser zurück zur Wache gefahren. Hier stehen bereits zwei Polizeiwagen links und rechts von unserem.  Während rechts drei Polizisten im Gespräch stehen, sitzen zwei Inhaftierende mit dicken Fußfesseln im linken Fahrzeug. Wieder so ein starker Kontrast: Während wir als zahlende Gäste voll verwöhnt aus dem Buschcamp zurückkommen, warten die beiden darauf weiter ins Gefängnis gefahren zu werden und dort ihre Strafe abzusitzen. Was mag in ihren Köpfen und Herzen vorgehen? Uns bleibt nichts weiter zu tun, als uns zu verabschieden und nachdenklich weiter zur Grenze zu fahren.

Martin in neokolonialem Stil

Ein letztes Wildschutzgebiet steht mit dem Hluhluwe iMfolozi Game Reserve auf unserer Besuchsliste. Leider spielt diesmal das Wetter nicht mit, so dass wir wegen tiefhängenden Wolken und Nieselregen kaum Tiere zu Gesicht bekommen. Auch als sich am nächsten Tag die Lage ein wenig ändert, haben wir nur wenige und keinerlei außergewöhnlichen Sichtungen. Lediglich eine Herde Wasserbüffel im Nebel reizt mich zu ein paar Fotos. Auf dem Weg durch den Park nehmen wir einen der langen Pistenloops. Weit geht es von der Teerstraße weg und plötzlich stehen wir vor einer für unseren Kleinwagen kritischen Stelle. Statt umzukehren, versuche ich es langsam im ersten Gang und tatsächlich kommen wir ohne größere Probleme durch. Ein paar Kilometer weiter erscheint ein noch kritischerer Wegabschnitt. Da der letzte gut geklappt hat und wir ansonsten diesen wiederum auf dem Rückweg nochmals passieren müssten, entscheide ich mich für ein weiteres waghalsiges Manöver. Dieses Mal klappt es nicht und ich setze mit dem Wagen auf einem Stein auf. Ein hässlich-kreischendes Geräusch ertönt und dann rutscht der Wagen von dem schmalen Grat auch noch in die tief ausgefahrene matschige Spur ab. Wir hängen fest. Der einzige Vorteil ist, dass es bergab geht und ich mit viel Gas geben uns wieder freifahren kann. Dabei bricht mir der Wagen aber seitlich aus und ich habe keine Chance, als er mir über den Matsch gegen die rechte Böschung rutscht. Immerhin ist er danach frei und ich fahre, ohne nachzuschauen mit klopfendem Herzen weiter. Martin reißt noch ein paar Witze, aber der Vorgang hat bei uns beiden Wirkung gezeigt. Ich ärgere mich, dass ich nicht vorher wenigstens die großen Steine entfernt habe – Löwen hin oder her... oder vor der ersten gefährlichen Stelle einfach gedreht habe.

Der Landcruiser fährt kurz vor uns ohne Probleme durch den Matsch

Ein Stück weiter abwärts kommt uns ein Geländewagen mit Wildhütern entgegen. Ich halte sie kurz an und erkundige mich nach der vor uns liegenden Strecke. Aus ihrer Sicht gibt es kein Problem für unseren Wagen und so bin ich ein wenig erleichtert. Es geht noch weitere fünfzehn Kilometer die Piste entlang und zum Glück gibt es tatsächlich keine schlimmen Abschnitte mehr. Wir sind beide heilfroh, als wir wieder Teer unter den Reifen haben! Erst hinter dem Parkausgang steigen wir aus und ich kontrolliere die mit der Böschung kollidierte rechte Frontseite. Die Schürze hat einen Riss abbekommen, ansonsten scheint es glimpflich abgegangen zu sein. Trotzdem frage ich mich, wie ich das der Autovermietung erklären soll. Schließlich sind Fahrten abseits der geteerten Straße natürlich streng verboten, also muss eine andere Geschichte her. Aber noch haben wir drei Wochen Zeit, um uns die auszudenken...

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Indischer Ozean, Drakensberge und Lesotho

Santa Lucia liegt am Eingang des iSimangaliso-Wetland-Park, eines UNESCO-Weltnaturerbes. Die Stadt ist auf Besucher des Parks ausgerichtet und bietet reihenweise Unterkünfte und Restaurants. Wir haben uns für drei Nächte bei André eingebucht. Ein gebürtiger Johannesburger, ist er vor 25 Jahren hierhergezogen und bezeichnet das als beste Entscheidung seines Lebens. Als wir ankommen, zeigt er uns als erstes, wo die Flusspferde nachts am Ufer hochkommen und durch seinen Garten weiter in den Ort ziehen, um dort die Grünflächen abzugrasen. Die heutige Hauptstraße war ihr früherer Laufweg und den haben die Tiere noch nicht so ganz aufgegeben. So stehen auch überall im Ort Warnschilder, dass 30 Meter Abstand zur eigenen Sicherheit eingehalten werden sollen. Das dient zur Vorsorge, aber sicherlich auch zur touristischen Folklore. Da ich mich in den letzten Tagen erkältet habe, gehen wir es ruhig an. Ich kaufe mir ein paar Tabletten gegen das aufkommende Fieber und um gut schlafen zu können, danach gehen wir noch in ein Restaurant und beenden den Tag früh.

Baumameisennest in Andrés Garten

Wir haben eine Bootsfahrt auf dem Santa-Lucia-See gebucht, dem größtem des Landes. Eigentlich ist es gar kein See im herkömmlichen Sinn, sondern ein riesiger Meeresarm. Als wir am Pier ankommen, sind wir erstaunt so viele Menschen hier zu sehen und merken schnell, dass wir eher das Panoptikum der Mitreisenden als die kaum zu sehenden Flusspferde und Krokodile als Highlight ansehen müssen. Es sind zwei große Gruppen, eine Bustruppe mit alten Menschen und eine Schulklasse voller Teenager. Zu sehen sind einige 80-jährige mit Tropenhüten und 16-jährige mit künstlichen Augenlidern, lustigen Tätowierungen und viel rosa. Der Kapitän ist gleichzeitig Reiseleiter und erklärt einiges zum Verhalten der Tiere, immer stark gewürzt aus seinem Repertoire schaler Witze. Trotzdem ist der See mit seinen schilfbewachsenen Sandbänken sehr schön und wir sehen auch einige Flusspferde, allerdings ist das Erlebnis in der Menge ein ganz anderes als auf unserer Morgenpirsch mit den Rangern im Kruger-Nationalpark. Alle drängeln sich auf der Seite der jeweiligen Sichtung und es kommt bei Martin und mir keine besondere Stimmung für die Natursituation außerhalb des Bootes auf. So sind wir ganz froh, als der Kahn nach zwei Stunden wieder anlegt.

Ein Einzelgänger mahnt immer zur Vorsicht

Ein Elefant blockiert unseren Weg zum Cap Vidal, als wir gerade zwei andere beobachten. Wir haben das riesige Tier trotz seiner Größe nicht gesehen, bis es drei Meter neben uns sich aus dem Graben am linken Fahrbahnrand erhebt. Wir setzen schnell einige Meter rückwärts und als er uns verfolgt, noch einmal weitere 50 Meter. Jetzt warten wir ab, ob der alte Bulle die Straße längere Zeit blockieren möchte oder ob sein ewiger Hunger ihn ins Grüne treibt. Fünf Minuten stehen wir uns gegenüber wie bei einem Duell, bevor er sich ganz gemächlich zur anderen Seite bewegt und dort erst einmal das Straßenbegleitgrün frisst. Wegen seines massiven Auftritts warten wir lieber noch ein wenig und setzen uns erst in Bewegung, als auch er sich weiter entfernt. Es ist mein zweiter Konflikt mit einem Elefanten. Schon im Krüger hat ein Bulle zuerst zwei Autofahrer zur Umkehr gezwungen, bevor ich an der Reihe war und statt eines Loops den Weg zurückfahren musste. Gerade vor dem Hintergrund eines tödlichen Vorfalls vor einem Monat bin ich noch vorsichtiger mit einzelgängerischen Dickhäutern geworden. Auf dem Rückweg von einem Ausguck am Missions Rock finden wir einen kleinen Schlammpfuhl mit einem Wasserbüffel besetzt. Er muss es sich hier gerade gemütlich gemacht haben, da das Matschloch vor zehn Minuten noch leer war. Ich fotografiere ihn mehrmals und er scheint dabei keinerlei Notiz von mir nehmen zu wollen.

Neugierig aufeinander

Unsere Fahrt endet schließlich am Cap Vidal, der letzte mit dem Wagen erreichbare Punkt der Eastern Shores. Hier treffen sich am weißen Strand Taucher, Angler und Hochseefischer, die ihre Boote zu Wasser lassen. Aber schon ein paar Meter in beide Richtungen beginnt eine schöne und unberührte Küste. Nur der Sand, die hohen bewaldeten Dünen und das Meer teilen sich den blauen Himmel. Wäre es nicht heute unerträglich heiß und die Luftfeuchtigkeit geradezu unmenschlich, ich würde gerne eine lange Runde entlang der Bucht spazieren. So schaffe ich es auf Grund der Meeresbrise ein paar Hundert Meter, kapituliere dann und kehre zu Martin zurück, der direkt auf der einzigen Bank im Baumschatten zurückgeblieben ist. Nach ein paar Minuten schleppen wir uns zurück ins Auto und treten den Rückweg an. Wir haben beide das Gefühl keine Luft in unsere Lungen zu bekommen, während der Schweiß unaufhörlich an uns hinabläuft.

Cape Vidal

Erst gegen Abend wird es erträglicher und wir setzen uns zu Alfredo ins Restaurant. Der Besitzer fährt ein paar Minuten später mit seinem selbstgebauten Elektrodreirad, eins hinten und zwei Räder vorne, bis vor die Tür. Seine enge Fahrerkabine erinnert an alte Bugattis und ist in Racing Green lackiert. Er kommt zu uns an den Tisch und wir unterhalten uns über sein Mobil. Es ist von ihm selber entworfen und könnte bis zu hundert Stundenkilometer schnell fahren. Da er aber schon seit drei Monaten auf die bestellten Vorderräder wartet und deswegen vorne auch noch keine Bremsen verbaut hat, lässt er es momentan noch etwas ruhiger angehen. Kurz nachdem er wieder abgefahren ist, trollen sich zwei Warzenschweine die Straße entlang. Der ganze Verkehr nimmt Rücksicht auf die beiden, während sie scheinbar keinerlei Notiz von ihrer Umwelt nehmen. Als wir uns am nächsten Morgen von André verabschieden, erzählt er uns, dass sein Nachbar gestern am späteren Abend einen Leoparden an der Straße beobachtete, der wiederum ein Buschbaby im Baum gierig mit seinen Blicken verfolgte. Dann zeigt er uns noch ein zwei Wochen altes Video von einem Leoparden, der seelenruhig die Straße vor unserer Hütte entlang wanderte. Alles immer eine Sache von zur richtigen Zeit am richtigen Ort oder eben auch nicht.

Das Vorland der Drakensberge

Auf der Fahrt in die Drakensberge fallen uns einmal mehr die zahlreichen 9-Achser-Lkws mit den großen „Abnormal“-Schildern unter dem Kühlergrill auf. Sie transportieren Erz oder Kohle in überdimensional wirkenden Loren von und zu den Bahnhöfen. Südafrika sättigt seinen Energiehunger größtenteils durch die Verstromung von Kohle. Noch immer werden 90% so erzeugt, doppelt so viel wie der Durchschnitt aller anderen Länder. Trotzdem produziert das Land zu wenig Strom, so dass es immer wieder zum sogenannten „Load Shedding“, dem Abschalten des Stroms, kommt, teilweise bis zu zwölf Stunden am Tag. Eine Pensionsbesitzerin hat mir erzählt, dass trotzdem für das Betreiben einer Solaranlage Steuern entrichtet, werden müssen.

Das Umland von Winterton

Nach sechs Stunden kommen wir in Winterton an, einem verschlafenen Provinznest östlich der Drakensberge. Wir landen erst einmal im Township am Rande der kleinen Stadt und bekommen ein paar überraschte Blicke, als wir mitten durch die Nachbarschaft die holprigen Lehmpisten entlangfahren. Ich halte an und frage eine Frau mit einem Regenschirm zum Sonnenschutz nach dem Weg. Nach einigen weiteren Schlaglöchern erreichen wir das kleine Zentrum und finden eine Bar für den dringend nötigen Kaffee. Alle paar Minuten lässt ein Opel- oder VW Golf-Besitzer das Gaspedal spielen, ansonsten geht alles seinen beschaulichen Weg. Ich habe uns für drei Tage außerhalb des Ortes einquartiert und telefoniere mit der Gastgeberin, damit sie uns am Tor der Farm treffen kann. Über Lehmpisten fahren wir die letzten 14 Kilometer zum Treffpunkt. Unser Gästehaus liegt gleichzeitig in einem kleinen privaten Game Reserve mit Antilopen, Zebras und Gnus. Wir sind pünktlich am Tor und gemeinsam fahren wir die letzten zehn Minuten zu unserer Unterkunft. Schon vorher hat mir die Landschaft mit ihren sanften Hügeln, den Schirmakazien und vielen kleinen Seen sehr gut gefallen, aber die 45 Hektar des Farmgeländes sind einfach nur traumhaft schön. Es wirkt wie ein kleiner Garten Eden mit wogenden Gräsern, sattem Grün und hunderten alter Bäume. Überall streifen kleine Herden von Tieren umher und der Blick kann ungestört über zwei Seen in die Ferne schweifen. Auch ist das Klima nach der feucht-heißen Küste angenehmer und wir freuen uns auf drei kühle Nächte und zwei Wandertage in den Ausläufern der Berge.

Typische Siedlung in der Nähe der Drakensberge

Nach einem hervorragenden Frühstück fahren wir über ein paar Umwege in den uKhahlamba-Drakensberg-Park. Das Gebirge teilt Südafrika von Lesotho. In den mittleren Drakensbergen erreichen die Gipfel mehr als 3000 Meter und es kann, selbst im Sommer schneien. Wir halten uns eher in den unteren Regionen auf, wandern aber trotzdem einige hundert Höhenmeter in die Bergwelt hinein. Das über den Hügeln liegende kurze Grün und die Ausformung der Berge erinnern mich an die Färoer-Inseln und die magische Schönheit erinnert auch ein wenig an das „Auenland“ aus „Herr der Ringe“. Immer höher steigen wir schwitzend hinauf und immer weitere Ausblicke eröffnen sich vor unseren Augen. An unserem höchsten Punkt bleiben wir lange sitzen und genießen die Weite nach Osten mit den in die Landschaft gesprenkelten kleinen Dörfern und den Blick gegen die westlich aufragenden Tafelberge. Langsam hebt sich dann auch noch die wie eine Daunendecke über dem Gebirge liegende Wolkenschicht, bis wir schließlich das ganze Massiv frei vor uns liegen sehen. Ich liebe dieses Gefühl, in einer uralten Naturlandschaft von Schönheit umgeben zu sein und mich dabei selber ganz klein, aber gut aufgehoben zu fühlen. Millionen von Jahren sind an diesem Platz vorbeigezogen, weitere werden vorbeiziehen, wir schon längst vergessene vom Wind verwehte kleine Geschichten und wahrscheinlich wird es noch immer ähnlich aussehen. Auf unserem Rückweg halten wir an einem kleinen Segelflughafen. Die Aluminium-Hangars sind inzwischen alle anderweitig genutzt und statt Segelfliegern beherbergen sie nun eine kleine Brauerei, eine Käserei, eine Schokoladenproduktion und zum Glück auch das kleine Bistro, in dem wir nun unsere Mahlzeit einnehmen. Ich hole uns zwei Flaschen Bier aus dem Verkauf der nebenan liegenden Brauerei und wir genießen den Spätnachmittag an diesem so gut zur Gegend passenden Ort. Ein wenig fühle ich mich zurückgeworfen in die Zeit vor meiner Geburt. So harmlos und nett ist hier vieles im besten Sinne. Gestern Abend waren wir im „Farmer´s Forg“, einer Gaststätte in einer alten rudimentär renovierten Scheune. Und genau wie dort erfreue ich mich auch hier an den kleinen selbstgemachten Details, die, ohne viel Geld in die Hand zu nehmen, ein angenehmes Ambiente schaffen. So ist die ganze Umgegend: Unspektakulär spektakulär.

Schönheit am Wegesrand

Ein weiteres Tal und eine weitere Wanderung stehen auf unserem Programm. Injisuthi ist eine frühere Farm, die von KZN Wildlife aufgekauft wurde und nun ein Reservat ist. Leider erreichen wir unser Ziel nicht, weil kurz nach der Abzweigung ins Tal dicke Steine und mehrere Männer die Straße blockieren. Ich unterhalte mich mit einem von zwei offiziell aussehenden Herren. Sie verhandeln augenscheinlich mit den anderen über eine Räumung der Straße. Er erzählt mir, dass es bei dem Protest um den Anschluss der weiter im inneren des Tales liegenden Weiler an das öffentliche Strom- und Wassernetz geht. Scheinbar hat hier die Wut über ein schon länger auf eine Lösung wartendes Problem nun zu dieser Sperrung geführt. Laut meinem Gesprächspartner ist dies nur eine von vielen Sperren auf dem Weg ins Reservat. Er rät mir umzukehren und nach einem Blick in die grimmig-entschlossenen Gesichter der Protestierenden sehen wir das genauso. Ich hoffe auf Erfolg für den Protest der Menschen, drehe unser Auto und wir fahren eine Extrastunde, um ein weiter nördlich liegendes Tal zu erreichen. Heute ist die Sicht besser und wir können viele der Gipfel des Gebirges aufgereiht vor uns sehen. Statt auf einen Berg wandern wir so in eine Schlucht. Die zuerst noch offene Landschaft verengt sich immer mehr und dann tauchen wir in einen kleinen feuchten Urwald ein. Ein enger Pfad führt uns immer tiefer hinein bis wir im Halbdunkeln den Talboden erreichen und vor dem durch die Enge schießenden Fluss stehen. Die Mischung aus Wasser, Wald und moosigen Felsen könnte Teil eines mythischen Reiches sein. Wir lassen uns eine Weile verzaubern, bevor wir wieder hinaufsteigen aus diesem wunderschönen Biotop.

Auf dem Weg in die Schlucht

Lesotho, rundherum von Südafrika umgeben, ist der zweite Zwergstaat, den wir besuchen. Selbst das Tiefland liegt auf tausend Meter Höhe und hohe Gebirge schützen die Außengrenzen. Das Volk der Basotho bildet die Bevölkerungsmehrheit. Wir kommen über Maseru Bridge ins Land und fahren durch den westlichen Teil zur Malealea Lodge, einem ehemaligen Handelsposten, der heute als Verbindungsglied zwischen den Reisenden und der örtlichen Bevölkerung versucht besser verträglichen Tourismus anzubieten. Auf dem Weg passieren wir unzählige Hirten, mit Sturmhauben und Wanderstab ihre Tiere zusammenhaltend. Meistens sind es ein paar Kühe oder auch einmal eine Schafherde. Außerhalb der mit einer Viertelmillion Einwohner recht kleinen Hauptstadt Maseru wirkt alles sehr ländlich. Einfache Häuser und traditionelle Rondavels bestimmen das Bild. Der Verkehr ist spärlich, die Straßen gut und so kommen wir zügig voran.

Warntafel vor der Piste

Nur die letzten sieben Kilometer sind eine echte Herausforderung für Fahrer und Gefährt. Eine mit groben Steinen durchsetzte Lehmpiste lässt mich nicht über den zweiten Gang, untertourig gefahren, hinausschalten. Nur mit konzentriertem fahren ist es zu verhindern, dass der Wagen aufsetzt oder wegrutscht. Eine dreiviertel Stunde später sind wir froh, das Tor zu erreichen und nach einer Regenschlacht von sechs Stunden und dem kleinen Abenteuer am Schluss nun niederschlagsfrei einchecken zu können. Vor dem Abendessen treten noch der örtliche Chor und eine ebenfalls heimische Band auf. Der Chor singt einige sehr schöne Lieder, aber es ist die Band, die für Stimmung sorgt. Ein treibender Trommler, drei weitere Instrumente und drei Sänger treten auf. Die Instrumente sind alle selbst gebaut aus dem Schrott, den das Dorf übrighatte. Das Fell der Trommel war ein alter Autoschlauch, die „Trommelstöcke“ sind zwei abgeschnittene Stücke eines Bewässerungsschlauches. Die Gitarrenseiten dicke Angelschnüre und der Korpus der einen ist ein alter Motorölkanister, der andere ein Blechcontainer für Olivenöl. Dazu kommt noch eine Art einsaitige Geige, ebenfalls recycelt aus übriggebliebenem Müll. Die entfaltete Dynamik und das Zusammenspiel von Instrumenten und Gesang ist pure Energie. Beeindruckend, wie aus der Lust an Musik und ohne geringste finanzielle Mittel so ein Sound entstehen kann! Viel zu kurz ist ihr Gastspiel. Am späteren Abend spielt dann noch ein Gast auf der Akustikgitarre alte Lieder seiner Generation. Einige laden sich die Texte herunter und singen mit. Ein schöner Ausklang unseres Abends.

Strecke zur Malealea Lodge

Unser Führer wartet mit drei Basotho-Ponys auf uns. Martin reitet mit seinen siebzig Jahren das erste Mal und ich nach einem Ausflug vor 35 Jahren in Guatemala mein zweites Mal. Die Ponys sind größer als erwartet und sehen eher wie mittelgroße Pferde aus. Wir bekommen noch jeder ein blaues Haarnetz und einen Reiterhelm verpasst und dann geht es los. Durch das Tor geht es nach links zwischen den Feldern hindurch. Der Sattel kommt mir ziemlich hart vor und ich Bedenken vor der eigenen Courage. Der Weg ist äußerst uneben und wir schaukeln bei jedem Schritt in unseren Sätteln. Unter dem blau-weißem Himmel geht es immer weiter durch Mais- und Hirseanpflanzungen, bis wir schließlich leicht bergab an einem Dorf vorbeireiten in Richtung einer Schlucht.

Haus in Malealea

Als es für unsere Ponys zu steil wird steigen wir ab und gehen zu Fuß weiter zwischen den engen Felswänden hinab. In der Entfernung sehen wir eine Flussbiegung. Am Gleithang hat sich offensichtlich genug Sediment abgesetzt für die leuchtendgrünen Felder. Wir klettern noch ein wenig weiter und stehen dann vor jahrhundertealten Felszeichnungen. Wir erkennen eine Antilope, mehrere Menschen, die sie umringen und – so erzählt es unser Guide – der Schamane und Zeichner dieses Gemäldes. Es ist mit dem Blut des erjagten Tieres gezeichnet und um die vierhundert Jahre alt. Wir wundern uns, wie gut das Blut noch erhalten ist und auch, wie fein die Zeichnung ausgeführt ist. Auf meine Bitte hin gehen wir weiter zu den Feldern am Talboden, sehen die dazugehörenden Hütten und zwei Bewohnerinnen. Nach dem Aussehen der Hütten sind die Menschen bitterarm. Immerhin bewohnen sie einen wunderschönen Platz und können sich von dem Angebauten ernähren.

Schön und abgelegen

Trotzdem fühlt sich unser Führer bemüßigt zu sagen, dass er auf gar keinen Fall hier leben würde. Das klingt für uns ein wenig lustig, weil er selbst auch in einer recht schlecht erschlossenen Gegend lebt. Allerdings ist es in Malealea bei weitem nicht so archaisch und es gibt eine kleine Kneipe mit Palmbierverkauf und ein paar Läden in aus Blech zusammengeschusterten Hütten.

In Malealea

Wir steigen schwitzend wieder aus der Schlucht nach oben, wo ein Hirte auf unsere Ponys aufgepasst hat und dafür einen kleinen Schein erhält. Wir reiten noch eine Stunde zurück, lassen die Pferde zwischendurch an einem kleinen Bach trinken und Martins Tier klaut sich noch eine Pflanze von einem der Felder. Schon am Abend merken wir unser Gesäß und Martin hat ein kleines Hämatom entwickelt, was ihm in den nächsten Tagen bestimmt noch Spaß beim Sitzen bereiten wird.

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Kahoo

Unser erster Regentag ereilt uns zum Glück auch in der ersten Stadt. Graaff-Reinet, eine Kleinstadt in der östlichen Karoo, hat einige kleine Museen und über 200 Baudenkmäler, die meisten einstöckige kapholländische Häuser mit der typischen großen Frontveranda und vergleichsweise riesigen Fenstern. So vertreiben wir uns den Vormittag mit einem Rundgang durch den Ort und dem Eintauchen in die Geschichte der Besiedlung - oder Besetzung - dieser unwirtlichen Gegend durch Buren und Engländer, ergänzt durch jüdische Händler und auch einige deutschstämmige Einwanderer.

Graaf-Reinet ist reich an guten Cafés

Für ein Getränk landen wir im Graaf-Reinet Club, der schon seit über 150 Jahren besteht. Die Fotos zeigen durchgehend weiße Mitglieder, wahrscheinlich waren die einzigen schwarzen Menschen in diesen Räumen all die Jahre das Personal und die Schuhputzer, deren Arbeitsplätze, Ledersofas mit Fußbänkchen, noch heute im Clubhaus stehen. In einer Stadt fällt die schon des Öfteren wahrgenommene Rassentrennung intensiver auf: Im Restaurant essen Weiße und es bedienen Schwarze, in den renovierten alten Häusern wohnen Weiße, vor den Billigläden und Bottle Stores stehen Schwarze. Die Apartheid ist längst Vergangenheit, aber das Geld scheint noch immer sehr ungleich verteilt. Es ist, als zöge sich eine klare Grenze durch die Stadt und ich frage mich, wie die schwarze Bevölkerung dieses Ungleichgewicht aushält und wie lange es noch andauern kann. Wären der hier 1893 eingereiste Ghandi und, natürlich viel bedeutender für die Nation, Nelson Mandela nicht als Vorbilder immer für den friedlichen Kampf eingetreten, vielleicht wäre die Lage für die Weißen heute wesentlich ungemütlicher? Ich jedenfalls staune über den oberflächlichen Frieden und über die noch immer teilweise demütige Haltung von schwarzen Männern sogar uns gegenüber. Es fühlt sich falsch an und als hätten wir qua Geburt Rechte, die ihnen vorenthalten werden. Bei einem Spaziergang am Nachmittag porträtiere ich einige Menschen auf der Straße. Wie schon an anderen Orten, so ist der Alkoholverkauf im Bottle Store auch hier ein Treffpunkt für die Trinker der Stadt.

Billigladen gegenüber dem Busbahnhof

Konsumiert wird direkt auf der Straße und einige haben gegen fünf Uhr schon gehörig die Lampe an. Die Armut ist hier besonders sichtbar, besonders weil sie mit den Zügen der Hoffnungslosigkeit tief in die Gesichter eingegraben ist. Der Alkoholmissbrauch verstärkt die Verzweiflung noch oder löst sie vielleicht auch für ein paar Stunden auf. Ich spreche etwas abseits der Szenerie mit Goto, einem Mann im mittleren Alter. Er erzählt von seiner Zeit als Fußballtrainer des städtischen Vereins und wie er dann auf Grund einer Depression Amt und Arbeit verlor. Er möchte mir seine Telefonnummer in der Hoffnung geben, ich könnte ihm von Deutschland aus helfen ein Visum zu bekommen. Meine Erwiderung, dass meine Hilfe ihn nicht weiterbringen würde und es höchstwahrscheinlich keinen Weg für ihn gibt legal nach Deutschland einzureisen macht ihn nicht glücklich. Ich halte es allerdings für besser ehrlich zu sein, statt falsche Hoffnungen zu schüren. Wir unterhalten uns trotzdem noch eine halbe Stunde und verabschieden uns dann ohne Adressenaustausch, aber dafür mit Handschlag.

Goto

Wir fahren die sehr schöne Strecke entlang der Sneeuberge in das kleine Karoodorf Nieu-Bethesda. Hier hat die Art Brut Künstlerin Helen Martins lange gelebt und gearbeitet. Das Owl House, ihr Lebensmittelpunkt für mehrere Jahrzehnte, ist noch fast genauso erhalten wie zum Zeitpunkt ihres Selbstmords im Alter von 78 Jahren. Im Gartenstehen dutzende Betonfiguren, viele die Arme wie zum Gebet zum Himmel reckend. Einige sitzen auf Kamelen. Es gibt mehrere Stufenpyramiden und eine Sphinx. Dazwischen wachsen Kakteen und Skulpturen aus Bierflaschen aus der Erde. Das Innere des Hauses ist durch bunte Scheiben in farbiges Licht getaucht. Es atmet Kunst aus allen Poren. Die Einrichtung ist ärmlich, aber wirkt sehr wohnlich. Überall stehen kleine Arbeiten, es hängen alte schwarz-weiß Fotografien und Zeitungsausschnitte gerahmt an den Wänden. Das Motiv der Sonne und das der Eule kehren in verschiedenen Variationen wieder. Martin und ich fühlen uns beide sehr wohl und schauen uns interessiert das ganze Ensemble lange an. Es gibt einen wunderbar tiefen Einblick in die Gefühlswelt der Künstlerin.

Owl House

Nach einem kurzen Spaziergang durch das kleine Dorf mit den kapholländischen Häusern fahren wir in den nahegelegenen Garten eines bierbrauenden Paares, genießen ein herrlich kühles Honey Beer unter einer alten Weide sitzend. Der Kontrast zwischen den vielen Bäumen im Tal, dem an verschiedenen Stellen sprudelnden Wasser und der kahlen Umgebung der Berghänge wirkt seltsam. Auf unserem Rückweg begegnen wir einem Weißkehlwaran. Das etwa ein Meter lange Tier bewegt sich langsam von der Straße ins dornige Grün. Dabei behält er mich fest im Blick und lässt seine blaue lange Zunge immer wieder hervorschnellen. Behäbig sucht er Abstand zwischen uns zu bringen, um sich verstecken zu können. Wir lassen ihn von dannen ziehen und fahren laut Musik hörend zurück nach Graaf-Reinet.

Weißkehlwaran

Der Camdeboo Nationalpark ist in vier Sektoren geteilt. Eine ist hauptsächlich zum Tiere beobachten, eine andere ist für das „Valley of Desolation“, das Tal der Verwüstung, bekannt. Wir möchten uns diesen Teil anschauen und fahren dafür zum westlichen Parkeingang. Von hier geht es durch schöne Buschlandschaft immer höher in die Berge, bis wir unser Auto parken und zu Fuß die letzten zwei Kilometer zu den verschiedenen Ausgucken gehen. Von hier oben blicken wir mitten in die Verwüstung und darüber hinaus in die endlos scheinende Karoo. Inselberge aus hundert Meter hohen Doleritsäulen überragen mehrere kleine Täler, in denen die herabgestürzten Felsen zwischen der dichten Vegetation liegen. Dieses scheinbare Chaos ist namengebend für den Ort. Etwas entfernt lugt die Spandaukoppe, an eine Rundhütte erinnernd, als Einzelberg aus der Ebene hervor. Benannt wurde sie von einem deutschen Reiteroffizier, den sie an die Spandauburg seiner Heimat erinnerte. Die Kombination aus den schroffen, oben verwitternden Felssäulen und der flachen Ebene ist atemberaubend schön. Auch die Pflanzenwelt mit verschiedenen Dornbüschen, Kakteen und vielen blühenden Pflanzen wirkt fast wie ein mühevoll angelegter Garten. Verschiedene Vogelarten umsegeln in gekonntem Flug das Ensemble, immer auf der Jagd nach Insekten. Wir sitzen und wandern für fast drei Stunden umher und schauen der Sonne zu, wie sie die Felsen in immer wärmeres Licht taucht. Es ist einer dieser Orte, die einen voller Ehrfurcht für die Vielfalt und Schönheit des Planeten zurücklassen.

Blick auf die Karoo

 

Unsere Fahrt durch die Karoo von Graaff-Reinet nach Prince Albert beschenkt uns mit großartig-halbarider Landschaft. Wenn ein Designer eine Farbpalette für Herbstfarben erstellen sollte, würde er von der hiesigen Pflanzenwelt bestens inspiriert. Die weiten Ebenen wechseln sich mit Gebirgszügen ab, flache Wolken reichen bis zum Horizont. Jede Viertelstunde sehen wir ein anderes Fahrzeug, ansonsten werden wir nur vom immer heißer werdenden Wind und dem endlosen Teerband begleitet.

Fynbos-Landschaft der Karoo

Zweimal halten wir für auf dem kargen Boden stolzierende Vögel an. Zwei Sekretäre staksen mit ihren langen Beinen durchs Gelände, immer auf der Suche nach Großinsekten oder kleinen Säugetieren. Sie gehören zu den Greifvögeln, nehmen aber unter diesen durch ihren speziellen Körperbau eine Sonderrolle ein. Wenig später beobachten wir Paradieskraniche, eine durch Pestizide in ihrem Bestand stark gefährdete Art. Eines der Tiere springt immer wieder flügelspreizend in die Höhe. Ob die komische Bewegung Teil des Balzverhalten ist kann ich nicht sagen. Links und rechts der Straße laufen die Weidezäune immer mit. Sie zerschneiden die Wanderrouten der Tiere und lassen trotz der Weite der Landschaft keine Migration mehr zu. Die Karoo ist keine Wildnis mehr, sie ist zu großen Teilen Farmland. Merinoschafe und Angoraziegen werden auf den riesigen Farmen gehalten und sorgen für ein Einkommen in der unwirtlichen Gegend. Jede Ortschaft ist ein Ereignis, nur dünnbesiedelt umfasst die Karoo mit annähernd 500.000 Quadratkilometern ein Drittel der Fläche Südafrikas. Gegen Mittag kommen wir in Rust an, dass wegen der Nähe zu den Swartbergen eine touristische Infrastruktur besitzt und wo wir ein gutes Mittagessen bekommen. Anschließend durchqueren wir einen quer durch das Gebirge führenden Canyon und lassen mit ihm auch alle vorher aufgetürmten Wolken hinter uns. Prince Albert empfängt uns mit 32° Celsius und blauem Himmel. Wir setzen uns ins erstbeste Café, bestellen eine Flasche Mineralwasser und versuchen die Hitze aus unserem Körper entweichen zu lassen.

 

Nach einem Ruhetag auf der wunderbaren Mirtehof Guest Farm, nur unterbrochen von einem längeren Vormittagsspaziergang durch Prince Albert, setzen wir am nächsten Morgen zum großen Sprung nach Stellenbosch an. Kurz hinter dem Ortsausgang biegen wir rechts ab und verlassen für die nächsten zwei Stunden noch einmal den Teer. Durch einen schönen Canyon erreichen wir den Anfang des Swartbergpasses, der sich über unzählige Kurven bis auf 1575m hochschraubt. Während wir unter blauem Himmel losfahren, erreichen wir schon ab halber Höhe die ersten Wolken und verschwinden bald vollständig in ihnen. Ein Regenbogen liegt über dem Weg und schwere Tropfen schlagen auf die Windschutzscheibe. Der Regen lässt die Piste glitschiger werden, was bergab ein wenig unangenehm wird. So sind wir ganz froh, als wir einige Kilometer vor Oudtshoorn wieder Teer unter die Reifen bekommen.

Charakterkopf

Wir steuern eine der zahlreichen Straußenfarmen an. Mehrere bieten noch immer das Reiten auf den Vögeln an, eine stressige Situation für die Tiere und ein Ausschlusskriterium. Wir kaufen Tickets für eine Traktor-Tour zur Besichtigung der Gehege. Auf den Kauf der auch aus Tierparks in Deutschland bekannten Futtermittel verzichten wir. Anders die beiden teilnehmenden Familien, die deswegen mit den recht unkontrolliert wirkenden Schnabelhieben der Tiere und dem überall herumfliegenden Futter zu kämpfen haben. Unser Führer erzählt, dass die Strauße, ursprünglich aus Asien stammend, vor Millionen Jahren auf den afrikanischen Kontinent gekommen seien. Vor etwa zweihundertJahren wurden dann der Südafrikanische mit dem Nordafrikanischen gekreuzt, um die Fertilität zu steigern. Straußenfedern waren in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Europa und den USA so beliebt, das die „Feder-Barone“ unfassbare Vermögen aufbauen konnten und in dem kleinen Oudtshoorn die „Straußenpaläste“ entstanden. Heute werden die Federn hauptsächlich nach Brasilien und Nigeria, das Fleisch hingegen nach Deutschland und in die Schweiz exportiert. Das genarbte Leder der Rückenpartie verwendet die Luxusindustrie gerne für sündhaft teure Taschen, der Rest des Leders wird unter anderen von Autofirmen wegen seiner guten Strapazierfähigkeit zu Sitzbezügen verarbeitet.

Das erste Küken des Geleges schlüpft bald

Das trockene Klima der Karoo ist für die Straußenzucht ideal und so gibt es auch heute noch zahlreiche Farmen rund um die Stadt. In großen Gehegen werden verschiedene Unterarten gehalten. Die einen überwiegend wegen ihres Fleisches, die anderen eher für Federn und Leder. Bis zu 4000 Tiere werden jeden Tag in Südafrika geschlachtet. Für eine eher strukturschwache Region wie diese sind die Farmen ein großer Arbeitgeber, auch wenn bei mir ein etwas schaler Beigeschmack zurückbleibt angesichts des industriellen Zuchtbetriebs. Der angeschlossene Laden mit seinen teuren Artikeln erinnert mich an die makabere Verarbeitung der Aga-Kröten in Australien. Die bezahlte Fütterung durch Touristen und anschließend der Kauf des aus dem Strauß angefertigten Endprodukts ergeben zumindest eine ideale monetäre Verwertungskette der Tiere...

 

Nachdem es auch die ganze weitere Fahrt leicht regnet, werden wir nach der Durchquerung der letzten Hügelkette in Stellenbosch von blauem Himmel empfangen, allerdings auch von 34°Celsius. Die Kombination aus Weinanbau und schroffen Felsen ergibt eine spektakuläre Kulturlandschaft. Um die zu genießen, fahren wir zum Abendessen ins Guardian Peak, eines der zahlreichen Restaurants direkt auf einem Weingut. Die tief stehende Sonne, die herrliche Landschaft und als Sahnehäubchen noch ein weißer Wolkenwasserfall, der sich über den Berggrat ergießt. Zufrieden nehmen wir zuerst an der Bar Platz und warten bei einem ersten Glas vom hier angebauten Wein auf unseren Tisch. Ein Plus der hiesigen Güter ist ihre gute Zugänglichkeit. Ob Weinverköstigungen zu geringen Preisen, Bistros, Restaurants oder Picknickkörbe für die gemütliche Rast in den Weinbergen, fast jederBetrieb bemüht sich um seine Gäste mit verschiedenen Angeboten.

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Stellenbosch und Kapstadt

Unsere Gastgeberin hat uns zwei alte Fahrräder vor die Tür gestellt, auf denen wir zum Frühstücken ins Postcard Café auf dem Stark-Condé Weingut radeln. Bei mir funktioniert leider die Gangschaltung nicht, so dass ich mich ein wenig die Hügel hinaufquäle. Aber das herrliche Weingut mit den schönen Ausblicken über einen künstlichen See inklusive großem Holzpavillion in der Mitte und die umgebenden Berge sind mehr als genug Belohnung für den unbequemen Ritt. Auf dem Rückweg entwickle ich dann durch das Ziehen an dem Gangschaltungskabel eine Möglichkeit am Berg in die leichteren Gänge zu schalten und so zusammen mit dem Rückenwind eine angenehme Fahrt zu haben. Trotzdem entscheiden wir uns dazu, für den nächsten Tag zwei E-Bikes zu reservieren.

Auf dem Weingut Stark-Condé

Wir schauen uns am Nachmittag die Innenstadt des alten Stellenbosch an. Mächtige Eichenalleen prägen zusammen mit dem alten Häuserbestand das Bild. Wir lustwandeln durch den kleinen aber gut angelegten Botanischen Garten und genießen die etwas kühlere Luft zwischen den Gewächsen aus aller Welt. Stellenbosch ist eine Universitätsstadt, so dass es hier jede Menge junge Menschen gibt. Ein Drittel der 90.000 Einwohner ist an der Uni eingeschrieben und es besteht eine angenehme Atmosphäre und Betriebsamkeit zwischen den alten Gemäuern. Zudem ist die Stadt eine der reichsten im ganzen Land. Trotzdem oder wohl eher gerade deshalb ist das wirtschaftliche Gefälle zwischen Schwarz und Weiß auch hier gut sichtbar. Mich würde interessieren, ob auch nur eine kleine Zahl an Weingütern inzwischen von Schwarzen geführt oder gar besessen wird.

Die elegante Welt der Weingüter

Unsere ausgeliehenen E-Bikes führen uns zuerst in die Eukalyptuswälder oberhalb der Stadt. Da aber die uns auf das Handy gespielte App nicht richtig funktioniert, die Wege immer schmaler werden und uns die Handgelenke zunehmend durchgerüttelt werden, beschließen wir umzukehren und fahren stattdessen nach einem guten Frühstück im Universitätsviertel über Teer weiter ins Jonkershoek Nature Reserve. Der Vorteil am Radfahren ist die ideale Geschwindigkeit. Wir schaffen einige Kilometer, sehen viel mehr als mit dem Auto oder zu Fuß. Nach dem Verlassen der Stadtmitte kommen wir durch die Wohnviertel der Oberschicht. Sehr gepflegte Gärten umschließen abwechselnd alte kapholländische Häuser aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts und moderne Villen, entstanden in den letzten Jahrzehnten. Teure Autos, schwarze Gärtner, weiße Joggerinnen.

Weintrauben sichern den Besitz

Wir verlassen die dichte Bebauung und fahren durch ein schönes Tal mit altem Baumbestand bis zum Naturschutzgebiet, zahlen unseren Eintritt und lassen uns zehn weitere Kilometer unsere Körper durchrütteln. Hier ist die Landschaft leider unspektakulärer als außerhalb des Gebietes, ihre Schönheit würde sich erst bei einer Wanderung in die umliegenden Berge entfalten. So entschließen wir uns nach einer Pause im Parkcafé zu einer weiteren Schleife, um unser Mittagessen auf einem Weingut außerhalb der Stadt einzunehmen. Ein Nachteil der Infrastruktur Stellenboschs ist, dass es nur wenige Straßen gibt und die Berge die Täler relativ hermetisch abriegeln.

Mittagspause in Stellenbosch

So führt jeder Weg in ein Tal hinein auch den gleichen Weg wieder hinaus. Es gibt wenige zu fahrende Schleifen, dafür um so mehr Sackgassen. Wir landen bei dem Versuch unser ausgewähltes Restaurant Mont Marie auf dem Weingut Klein DasBosch zu finden versehentlich auf dem privaten Teil des Weinguts. Durch ein Tor ist uns der Zugang verschlossen, so dass ich die Klingel drücke und wir, als sich das Tor öffnet, einfahren. Kurz hinter der Durchfahrt empfängt uns ein bewaffneter Wachmann mit schusssicherer Weste und in voller Einsatzkleidung. Er ist sehr freundlich, erklärt uns den richtigen Weg zum Restaurant und erzählt, dass er als Personenschutz hier arbeitet. Wieder einmal wundere ich mich über den offensichtlich großen Sicherheitsbedarf. Wir verabschieden uns, drehen bei und verschwinden aus der privaten Welt zurück auf die Straße. Gewohnt offen begegnet uns dann die Auffahrt zum Restaurant des Weinguts. Wir essen lecker, lassen uns den Weißwein des Guts schmecken und erfreuen uns an den zu unserem Tisch watschelnden Enten.

Am frühen Abend fahre ich allein noch mit dem Auto Richtung Klapmuts an der M1. Hier ist mir auf unserer Hinfahrt ein knallroter Supermarkt aufgefallen. Rundherum Coca-Cola-Rot sticht er wie eine Leuchtboje aus der Landschaft hervor. Ich möchte ihn möglichst mit ein paar Kunden fotografieren. Alle paar Minuten kommen Menschen zu Fuß oder in ihren PickUps und kaufen für den täglichen Bedarf ein. Es sind offensichtlich weitaus ärmere Menschen als die Gäste im Mont Marie. Im Laden selbst ist der Thekenbereich massiv durch ein Gitter geschützt. Ich fotografiere Markt und Kunden, falle natürlich auf und erkläre ein paar Mal, warum ich gerade hieran Interesse habe. Ein Mann erzählt mir von seinem Freund, der auch gerne fotografiert und dann seine Bilder am Computer in verschiedenen Prozessen weiterverarbeitet. Wie eigentlich immer ist die Kamera ein Eisbrecher und hilft, mir ein paar Einblicke in das Leben der anderen zu schaffen. Nur selten erfahre ich Ablehnung, wenn ich versuche ein bisschen Alltag in einer anderen Kultur einzufangen. Und letztendlich ist es oft überraschend, wie ähnlich die Menschen hinter ihrem verschiedenen Aussehen ticken.

Supermarkt in Klapmuts

Über die R310 geht es aus Stellenbosch hinaus Richtung Kapstadt. Wir möchten die Stadt östlich umfahren, um zuerst in Simon´s Town am Boulder Beach die Brillenpinguine zu erleben. Vorher kommen wir aber noch an einer riesigen informellen Siedlung vorbei. Auf der westlichen Seite der Straße Blech- und Holzhütten, soweit das Auge reicht. Es ist der äußerste Rand der Stadt und hier siedeln wohl die zuletzt aus den angrenzenden Staaten und dem ländlichen Raum angespülten Neuankömmlinge. Der Kontrast zum östlich der Straße liegenden Naturraum ist surreal. Noch surrealer wirken aber die regelmäßig aus der niedrigen Bebauung um etwa zwanzig Meter herausragenden weißen Masten mit jeweils vier Überwachungskameras. Es ist eine der Maßnahmen, die der hohen Kriminalität in den Townships und den Vierteln auf besetztem Land Einhalt gebieten soll. Gerade die neueren illegalen Siedlungen haben eine hohe Arbeitslosigkeit, eine schlechte Grundversorgung durch Geschäfte und werden teilweise von mit wenig Skrupeln behafteten Gangs beherrscht. Hier müssen die Lebensbedingungen sehr hart sein. Die Not, die Hitze im Sommer und die Kälte im Winter, teilweise ohne Zugang zu sauberem Wasser ist jeder Tag ein Kampf. Etwa 60% der Stadtbevölkerung lebt in einer der Siedlungen. Die ältesten der Townships, näher an der Stadtmitte gelegen, sind mittlerweile teilweise zum Mittelstand gehörend. Der sich vor uns ausbreitende Bezirk ist auch schon mit Strom versorgt, aber ansonsten vom Leben in der Innenstadt nicht nur von der physischen Distanz her meilenweit entfernt.

Großvater und Enkel am Strand von Muizenberg

Simon´s Town ist der Kontrast. Eine gepflegte Kleinstadt zwischen Berg und Meer. Wir schauen uns die Brillenpinguine am Strand an. Sie sind wesentlich kleiner als erwartet und ein seltsamer Anblick, verorte ich doch die Tiere eher in kalte Gefilde. Am oberen Teil des Strandes brüten einige Vögel ihre Eier in Erdmulden oder einfachen Nestern aus. Da Pinguine nicht fliegen können suchen sie sich ein paar in der Gegend herumliegende Dinge oder bauen einfach eine Sandmulde. Am unteren Teil steht eine größere Ansammlung Tiere am Strand.

Kolonie am Strand

Hin und wieder watschelt ein Pinguin ins Wasser, bis es eine Welle zum hinausschwimmen nutzt. Sie ziehen ein größeres Publikum an und so stehen wir beobachtend unter Tierfreunden in der prallen Sonne, während die Pinguine scheinbar unaufgeregt ihrem Tagwerk nachgehen. Als wir die Sonneneinstrahlung nicht mehr aushalten, setzen wir unsere Umrundung der Halbinsel fort, lassen das Kap der guten Hoffnung links liegen und kehren nach dem Chapman´s Peak Drive im Hafen von Hout Bay zu Mittag ein, bevor wir von Südwesten kommend zuletzt in Kapstadt landen.

Brillenpinguin sucht die richtige Brutposition

Zum Sonnenuntergang fahren wir noch einmal mit dem Auto nach Clifton. Der Stadtteil ist nicht nur der teuerste Flecken Südafrikas, sondern besitzt auch einen der schönsten Strände des Landes. Es gibt vier Abschnitte, die jeweils durch große runde Felsen voneinander getrennt sind. Oberhalb des Strandes verschwinden kleine schöne Häuser inmitten einer sattgrünen parkähnlichen Landschaft. Über allem thront der Lion´s Head, eine auffällige Bergspitze. Abends kommen hier viele Anwohner und Touristen hin, um den Sonnenuntergang zu zelebrieren.

Blick von Clifton Beach zum Lion´s Head

Wir parken oberhalb an der Straße, versichern den allgegenwärtigen Parkwächter seines Lohnes und benutzen einen der vielen Treppenabstiege zum Strand. Ich war hier schon einmal vor einigen Jahren, als Kapstadt das Endziel unserer Radtour von Port Elisabth aus kommend war. Seitdem haben sich am nördlichen Ende leider die protzigeren Häuser weiter den Berg hochgekämpft, stören aber das Bild zum Glück nur an der Sichtperipherie. Wir gehen über den Sand und durch die wunderbaren Felsen zu einem weiteren Strandabschnitt und ich telefoniere mit Anke während Martin seine Schwarzer Krauser Zigarette auf einem der Felsen sitzend genießt. Vor uns amüsiert sich eine Gruppe von etwa einem Dutzend vielleicht zwanzig Jahre alter deutscher Frauen und feiert mit Knallbonbons, Konfetti und Sekt das Leben und vielleicht auch einen Geburtstag. Wir schauen den letzten Strahlen beim Verschwinden zu und verlassen mit der aufkommenden Feuchtigkeit den Strand und kehren zu unserem Auto zurück.

In Posierlaune am Clifton Beach

Durch Zufall erfahren wir am Morgen, dass heute die Cape Town Pride stattfindet und mit einem Umzug durch die Stadt Aufsehen erregen wird. Wir ändern unseren Tagesablauf und spazieren entlang des Signal Hill langsam zum Startpunkt. Noch eine Stunde vor Start ist kaum jemand da. Eine Gruppe BMW-Gespanne, alle schon lange Oldtimer, wird die Parade anführen und ist auch als erste vor Ort. Langsam trudeln immer mehr Menschen ein, jede Drag Queen wird bejubelt und die Wandlung der Szene von einem schwul-lesbischen Event in frühen Tagen zu einer LGBTQ Veranstaltung heutzutage wir gut sichtbar.

Warten auf das Aufbruchssignal

Plakate werben für die Freiheit an Körper und Geist, Hundemasken und Einhörner feiern fröhlich miteinander. Die Parade nimmt langsam Fahrt auf und auch wenn sie wesentlich kleiner als in Köln ist, so bringt sie doch einige Tausend Menschen zusammen und setzt mit ihrer lebensbejahenden Offenheit ein wichtiges Zeichen in scheinbar düsterer werdenden Zeiten.

Das bunte gegen das dunkle setzen

Wir lassen den Umzug weiterziehen und gehen ins nahe Bo-Kaap, ehemals ein Viertel der Kap Malaien im nach Rassen getrennten Kapstadt der Apartheid, dass durch seine in verschiedenen Farben angemalten Häuser gerade heute besonders gut zu unserem Tag passt. Jeder Kapstadt-Reisende besucht die angenehmen Straßen und freut sich an dem Feuerwerk der bunten Wände.

Die bunte Häuser von Bo-Kaap

Das Viertel ist auch heute noch muslimisch geprägt, wenn auch inzwischen andere Kapstädter die Schönheit des zentral gelegenen Stadtteils für sich entdecken. An einigen Häusern stehen Parolen für die Freiheit der Palästinenser, oft sich auf Allah berufend. Die Positionen im israelisch-palästinensischen Krieg sind religionsbedingt hier klar verteilt.

Ein Konflikt politisiert die Welt

Wir gehen nach einer leckeren Kaffee- und Kuchenpause weiter in Richtung Hafen. Von 2013 bis 2017 ist hier ein ehemaliger Getreidesilo nach den Entwürfen des Londoner Architekten Thomas Heatherwick in das erste Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst auf dem Kontinent sensationell umgebaut worden. Das Zeitz MOCCA ist schon von außen eine gelungene Melange aus rauem altem Beton und innovativen neuen Fensterflächen. Über 9000qm Fläche sind entstanden. Neben der großen Halle sind es, den Bedürfnissen der modernen Ausstellungs- und Lagerkultur entsprechend, gelungene Räumlichkeiten. Die Stockwerke über dem Museumsbau wurden zudem in ein Luxushotel umgebaut. Die Idee hinter dem fast sakral wirkenden Innenraum des Zeitz MOCCA ist, ein gigantisches imaginäres Maiskorn als Negativ aus den 42 ehedem Getreide einlagernden Betonröhren herauszuschneiden. Ein Maiskorn deswegen, weil dieses Getreide hauptsächlich gelagert wurde.

Bewohner und Tourist

Da die Röhren mit ihrem dünnen Durchmesser für die Ausfräsungen zu fragil gewesen wären, wurden sie eingeschalt und mit neuer Betonschicht gedoppelt um anschließend alt und neu miteinander zu verbinden. Entstanden ist so eine nach oben von begehbaren Glasplatten abgeschlossene Eingangshalle über sechs Stockwerke, die mit ihren biomorphen Formen ein wirkliches Architekturerlebnis zelebriert. Wir sind ob der Wucht der Inszenierung beinahe sprachlos und schauen uns vor dem ersten Kunstwerk voller Freude eineinhalb Stunden lang die Struktur und die Verarbeitung der Materialien an. Mit einem der zwei gläsernen Aufzüge, die jeweils in einer der großzügig geöffneten alten Röhren verlaufen, fahren wir in den sechsten Stock und genießen von hier den Ausblick über den alten Hafen, die vor einigen Jahren hineingebaute Victoria und Alfred Waterfront und den dahinter aufragenden Tafelberg mit seinem über das Plateau fließenden Wolkenwasserfall.

Farbfeldfotografie

Erst jetzt widmen wir uns den temporären Ausstellungen „The other side of Now“ von Tuan Andrew Nguyen und „One must be seated“ von Rita Mawuena Benissan, beide hochinteressant, schlüssig und in der Umsetzung der Themen brillant. Besonders Nguyens Nachforschungen zu Kolonialzeit, Krieg und den daraus folgenden Schäden und Entwicklungen ist eine der besten Ausstellungen seit langer Zeit. Wir schauen danach noch kurz in die permanente Sammlung, die aber nicht gegen die Dichte der beiden vorherigen Erzählungen bestehen kann, so dass wir erfüllt und mit genügend Gesprächsbedarf langsam den Rückweg in unser Hotel antreten.

Eingang ins Zeitz MOCCA

Der Kirstenbosch National Botanical Garden zählt zu den schönsten und artenreichsten seiner Art. Wir nehmen das zum Anlass eine lange Vormittagsrunde durch den Park zu drehen und uns immer wieder unter seinen Baumriesen in den Schatten zu retten. Von Cecil Rhodes wurde das Land im Jahre 1902 an den Staat vererbt, um es vor Zersiedelung zu schützen. Der Botanische Garten entstand dann ab 1913 unter Mithilfe der Botaniker Harald Person und Neville Pillans. Viele der hier stehenden Baumgiganten wurden damals gepflanzt, einige befanden sich schon auf dem Gelände. Heute gliedert sich der über hügeliges Terrain verlaufende, fast sechs Hektar große Garten in verschiedene, sich teilweise überschneidende Biotope. Über 9000 verschieden Pflanzenarten wachsen hier und bilden einen großen Teil der etwa 20.000 Arten umfassenden südafrikanischen Flora ab.

Der botanische Garten geht in den Naturraum Tafelberg über

Für mich strahlen die alten Bäume eine besondere Stimmung aus. Ihre riesigen Kronen, getragen von massiven Stämmen bieten den angenehmsten Schatten und verströmen majestätische Ruhe. An vielen nagt der Zahn der Zeit, Äste sind abgebrochen oder vorsorglich abgesägt worden, Teile abgestorben, Stämme vernarbt. Die Vorstellung, wieviel Geschichte sich um sie herum abgespielt hat, wieviel Leid und Glück, während sie immer dastanden, größer und größer werdend und Generation nach Generation Tier und Mensch kommen und gehen gesehen haben. Besonders die riesigen relativ weit unten verzweigten Würgefeigen mit ihren langen Luftwurzeln und die raurindigen gigantischen Eichen haben es mir angetan. Viele Familien nutzen den Garten für ausgedehnte Picknick-Ausflüge. Mit Kühlkisten und Deckenstapeln suchen auch sie den wohltuenden Baumschatten auf. Vielleicht warten einige schon auf das heute Abend hier stattfindende Pop Konzert. Von November bis April werden jeden Sonntag die sehr beliebten Parkkonzerte in einer Art natürlichem Amphitheater veranstaltet.

Old Biscuit Mill: Kreatives aus vielen Bereichen

Wir verlassen den Park und fahren nach Woodstock, einem der ältesten Stadtviertel, dass den Weg der Gentrifizierung schon relativ weit gegangen ist. Aus dem noch vor einigen Jahren berüchtigten Viertel ist ein Hotspot der kreativen Szene geworden. Alte viktorianische Häuser wurden aufgekauft und renoviert, ehemalige Fabriken in Ateliers und Geschäfte umgewandelt. Trotzdem ist der Charme noch immer ein rauer und nachts kann es durchaus heikel werden. Im strahlenden Sonnenschein aber betreten wir das Grundstück der Old Biscuit Mill, vielleicht das Zentrum der Verwandlung. Auch am Sonntag sind die Geschäfte alle geöffnet, eine Menge junger Designer bietet hauptsächlich selbst entworfene Kleidung an. Eine Halle lädt zu kulinarischer Reise um die Welt ein. Vom Fleischkäse über Souvlaki bis zum New York Cheese Cake ist alles dabei. Sitzen können wir an langen Tischreihen in der Mitte der Halle zusammen mit allen anderen Gästen. Von draußen weht die Musik der DJ´s hinein, bunte, teils sehr originell gekleidete junge Menschen umkreisen uns, ein Hauch von früherem SoHo liegt in der Luft...

Die Zukunft noch offen

Auf der Arthur Street und weiter nördlich gibt es alles von Kleinindustrie bis zu großen alten Fabrikhallen. Einiges ist noch Ruine oder zumindest verlassen. Ein noch nicht abgeschlossener Umbruch, der dem üblichen Schema folgen wird. Verdrängung der Ärmsten, Einzug der Kreativen, Nachrücken des Geldes. Noch aber ist die Mischung hochinteressant und ich wünschte wir hätten ein paar Tage mehr zur Erkundung. So bleibt uns aber nur noch ein abendlicher Besuch des Tafelbergs und ein Betrachten des Sonnenuntergangs über Kapstadt und der Kap-Halbinsel aus luftiger 1000 Meter Höhe. Wenn Südafrika es schafft, die Ungleichheit nicht zu großen Konflikten ausarten zu lassen, wird Kapstadt bestimmt auch in den nächsten Jahrzehnten weiter prosperieren. Auch wenn die Unterschiede zwischen denen, die haben und denen, die wollen wohl niemals ausgeräumt werden, so bleibt zu hoffen, dass zumindest die Lebensumstände der Ärmsten sich verbessern. Glauben kann ich es allerdings kaum. Zu groß ist die Landflucht, zu arm teilweise die Nachbarstaaten und zu wenig Arbeit für die Neuankömmlinge.

Noch liegt Kapstadts Zukunft in der Kristallkugel verborgen

Vielleicht sind es aber auch die innovativen jungen Unternehmen, die in Keimzellen wie der in Woodstock besuchten Old Biscuit Mill entstehen und dann wachsen, um die Stadt weiter nach vorne zu bringen und so zum Wohlstandsmotor zu werden.

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